Ich denke da seit Ewigkeiten drüber nach, Einflüsse von Außen, Einflüsse von Innen, wer sind diese Influencer – ich komme zu keinem wirklichem Ergebnis.
Aber, was ich feststellen kann ist die Änderung der Gesellschaft als solcher.
War es früher eine auf Beziehung aufgebaute Gesellschaft, ist sie es heute nicht mehr.
Was meine ich mit auf Beziehung aufgebaute Gesellschaft?

Die Familien waren das Dorf, stammten aus dem Dorf, waren mit dem Land selber verbunden, hatten Beziehungen zu den anderen Dörfern, aus ihnen stammte der Adel, aus ihnen stammte der Klerus, aus ihnen stemmte der König oder Kaiser. Beziehungen waren der Motor, der tägliche Antrieb, die eigenen Kinder sollten es so gut wie möglich haben. Die Beziehung zu Gott regelte die Beziehung zum König, die Steuern, Frohndienst. Man glaubte an was höheres als sich selbst, man konnte über sich hinaus wachsen, sich in den Dienst der höheren Sache stellen.
Dann kam der Liberalismus. Jeder ist seines Glückes Schmied und wenn nur jeder an sich selber denkt, dann ist an alle gedacht.

Es gibt immer noch einen Herrscher, aber dessen Legitimation ist unbekannt. Man hofft auf so geringen Einfluss des Staates, oder des Herrschers, als möglich. Die Praxis zeigte, dass das nicht geht. Aber Gott wurde als tot deklariert, Religion fiel als einigendes Band weg, ebenso die Bindung zum Land.
Und hier sind wir heute – statt des totalen Individualismus, der jedem sein eigenes Glück bringen sollte, haben wir Kollektivismus, wo jeder irgendwie repräsentiert sei und genau eine Eigenschaft eines Individuums soll das möglich machen. Derweil bestimmt der Staat, bzw. der Herrscher, einfach alles.

Menschen verfallen in ihr archaisches Rudeldenken, falls sie überhaupt denken. Man ist ständig im Verteidigungs-Modus, weil man überleben will.
Das sind keine gesellschaftlichen Ordnungen, in denen man leben will, nicht im Stalinismus, nicht in Hitler-Deutschland, nicht in Nord-Korea, nicht in China und erst Recht nicht in der BRD von heute.
Aber genau das wird den Leuten aufgezwungen. Totale Bindungslosigkeit zum Land, zu Eltern, Familie, erst Recht Großfamilie, jede und jeder muss plackern und Steuern zahlen, für Leute, die sich als Herrscher aufspielen und nie zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie sich nicht an die Gesetze halten.
Keine Beziehungen untereinander, keine Familien, kein nix – und dafür sollen junge Leute ihre Leben geben? Freiwillig?
Ich habe keine Idee, wie das funktionieren soll. Wirklich nicht. Das ist dysfunktional. Oder schlimmer.