Der Nazi von heute will nicht umgebracht werden von irgendwelchen illegalen oder legalen Migranten, er will auch nicht, dass seine nächsten Angehörigen wie Ehe-Partner, Geschwister, Kinder, Enkel, Nichten und Neffen, Eltern umgebracht werden von irgendwelchen illegalen oder legalen Migranten.
Der Nazi von heute hätte gerne, dass die weiblichen Mitglieder seiner Familie nicht vergewaltigt werden.
Wenn man dieses als Definition von Nazi nimmt, bin ich natürlich ein Nazi.
Mein Vater wird auch einer gewesen sin, obgleich er seine eigene Mutter gegen Vergewaltigung durch die Tommys versucht hat, zu schützen – Gott, ein nicht ganz 10-Jähriger, gegen die Soldaten vom UK? Wie erfolgreich wird er gewesen sein?
Egal, er hat es versucht. Und 1946 wurde mein Onkel Reinhold geboren, der komplett legitime Sohn meines Großvaters Heinrichs, der schon 1942 oder 43 weggecascht wurde, weil der mit seinen Kollegen ein Flugblatt gedruckt hatte, auf dem stand „Was nun, Herr Meyer?“
Vom KZ Papenburger Moor kam ein Telegramm, dass man ihn „auf der Flucht erschossen“ habe, aber ich erinnere mich nicht mehr, ob das aus dem März oder April 1945 war. Zumal die Dokumente mit Onkel Reinhold gingen, nicht mit meinem Vater Engelbert. Und ich weiß nicht genau, aber Reinhold war geboren irgendwann 1946, das Datum erinnere ich nicht. Ich weiß es einfach nicht.
Ich weiß nur, als Wilhelmine starb, da fanden sie ihr Tagebuch, es ging mit Reinhold, es erklärte wohl, warum Engelbert ihr erklärter Liebling war, warum Maria Elisabeth, ihre jüngste Schwester, so sehr viel besser mit den Enkeln war – auch mit mir, Oma Maria war die Beste, meine Tochter hat ihre Namen nach Ihr bekommen – und dass da wohl ein dicker Keil zwischen Engelbert, Wilhelm und Dorothea auf der einen Seite, und Margarethe und Reinhold auf der anderen Seite war.
Was es war? Pure Spekulation. Aber Margarethe und Reinhold haben die exakt gleiche Blutgruppe wie ich, und meine eigene Mutter war vieles, aber eben nicht treu.