Engelbert war gelernter Weber. Der hat seine Ausbildung 1949 begonnen, die Ausbildung hätte 3 Jahre gehen sollen, aber nach je einem halben Jahr in der entsprechenden Klasse der Berufsschule wurde er versetzt, der war 1951 fertig. Ein halbes Jahr nach seinem 2 Jahre älterem Bruder Heinrich.
Engelbert hatte das Angebot von seinem Lehrherren, ein Stipendium zu bekommen und Textil Ingenieur zu werden. Eigentlich wollte der das wohl auch machen, aber ach…
Mein Papa hörte im Radio, dass der Wirtschaftsminister Ludwig Erhard verlauten lies, dass der deutsche Arbeiter zu schade sei, um Textilien herzustellen.
Was macht eine solche Aussage jetzt mit einem jungen Mann, 16, vielleicht 17 oder 18 Jahre alt? Was wohl, der wechselt den Beruf.
Engelbert versuchte sich wohl unter Tage, was für ihn nicht funktionierte und dann war er seit 1961 als Fußbodenleger unterwegs im Bau. Und hat da gutes Geld verdient, dass muss man auch sagen.
Erhard hat immer wieder betont, dass Deutschland sich auf hochwertige Industrien konzentrieren müsse, und dass Textilproduktion ein „niedrigproduktiver“ Sektor sei, der langfristig nicht zur Zukunft der deutschen Wirtschaft gehöre.
30% aller Arbeiter am linken Niederrhein arbeiteten in der Textilindustrie oder bei deren Zulieferern. Nehmen wir das Beispiel Viersen, hier die Firma Draftex. Das geht deshalb so gut, weil der Onkel Heinz da gearbeitet hat.
Draftex muss tausende Mitarbeiter beschäftigt haben, noch dazu einige Heimarbeiter. Draftex war schon immer Zulieferer für andere Branchen, die haben etwa Sicherheitsgurte für die Automobilindustrie entwickelt und hergestellt, aber nicht nur für die.
Heute haben die noch genau ein Werk und die beschäftigen sich mit Gummidichtungen. Was für ein Abstieg.
Und so sind im Lauf der Jahre seit 1960 100.000 Arbeitsplätze abgebaut worden, die meisten verschoben in die billigsten Länder, die man finden konnte.
Gleichzeitig wurde aber auch die Exzellenz im Wissen um Textilien abgebaut.
Hatte mein Opa Günther noch einen Anzug, der von der eigenen Hochzeit bis Beerdigung von meine Oma alles mitgemacht hat und niemals ersetzt wurde, so haben wir heute das Gejammer über fast Fashion.
Die exakt gleichen Kreise, die gejammert haben, dass der deutsche Arbeiter zu schade sei, um Textilien herzustellen, um den gleichen Arbeiter dann 50 Jahre Arbeitslos zu machen, jammern jetzt, dass Textilien zu billig seien und keinen Qualitätsansprüchen mehr genügen würden.
Was denn jetzt? Wollt Ihr gute, langlebige Textilien, aber die kosten Geld, oder wollt Ihr Mode-Müll, zum Billig-Tarif?
Es muss Euch klar sein, dass wenn Ihr die Zentren der Exzellenz in den Orcus schickt, Ihr Schrott-Qualität bekommt.