Antisemitismus im Spiegel

Passend zu meinem Artikel von gestern hat SPON einen sehr seltsamen Artikel zu diesem Thema gebracht: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/antisemitismus-echo-skandal-oder-angriffe-auf-juedische-buerger-doch-es-ist-schlimm-a-1205017.html, abgerufen am 29.04.2018

Doch, es ist schlimm
Haben wir es uns zu bequem gemacht in unserer schönen, freien Laissez-faire-Gesellschaft? Tabubrüche wie der Echo-Skandal oder Angriffe auf jüdische Bürger deuten auf schmerzhafte Haltungsschäden hin.

Schon bei der Einleitung merkt man, wohin die Reise gehen soll – die Deutschen sind Schuld am Antisemitismus.

Was bedeutet es, wenn wir im Frühjahr 2018 aufgefordert werden, uns mit jüdischen Bürgern zu solidarisieren, indem wir uns einen Abend lang öffentlich eine Kippa tragen, weil Juden in Deutschland auf offener Straße beschimpft und angegriffen werden? Was bedeutet es, wenn wir zwei Wochen lang darüber diskutieren, ob zwei sehr erfolgreiche Rapper für eine menschenverachtende Zeile über Auschwitzinsassen mit dem wichtigsten deutschen Musikpreis ausgezeichnet werden dürfen?

Und was bedeutet es eigentlich, dass in den Monaten zuvor mehrere hunderttausend Menschen in Deutschland die CD dieser Rapper mit jener und vielen anderen unerträglich geschmacklosen Textzeilen gekauft und gehört und auf die Straße weitergetragen haben?

Es bedeutet, dass wir in Deutschland ein Problem haben. Es bedeutet, dass wir darüber reden müssen, welche Gesellschaft wir künftig sein wollen und welche Gesellschaft wir überhaupt sein können. Welche Vorzeichen und Bedingungen unabänderlich sind – und welche sich, zwangsläufig oder willentlich, verändern dürfen. Wir müssen verhandeln, wo in Deutschland die Grenzen des Sagbaren und der Gleichgültigkeit vor der Geschichte liegen.

Der Autor fragt richtig, was es bedeutet, wenn Juden öffentlich angegriffen werden, wenn Antisemitische Hassparolen getarnt als Rap Verkaufsschlager sind – aber er geht sofort über zur Lösung, nämlich dass man die Grenzen des Sagbaren wieder neu definieren müsse. Was völlig unterbleibt ist die Frage, WER die Songs kauft, WER die Juden angreift, WER die Israelflagge verbrennt.

Weiter im Text.

Einige Leser wollen wohl spätestens jetzt aus diesem Text aussteigen. „Grenzen des Sagbaren“, „Gleichgültigkeit vor der Geschichte“, das sind inzwischen bei vielen vergiftete Reizworte, Kampfformeln in einem Diskurs, der noch nicht offen genug geführt wird, weil er anstrengend ist: Jetzt kommt er gleich mit der Holocaust- und dann mit der Nazi-Keule, stöhnen einige wohl jetzt genervt. Sie wollen nicht unter die moralische Fuchtel genommen werden, sie leiden unter einem gefühlten Diktat politischer Korrektheit, noch so ein Kampfbegriff, und sie wollen ihre Ruhe haben. Sie wollen Normalität in Deutschland.

Diese Beobachtung ist korrekt, die meisten Leute sind nur noch genervt. Der Autor wird auch gleich beweisen, warum das so ist.

Und damit liegen sie sogar in einem ungemütlichen Trend, der seinen Beginn schon lange vor dem Zuzug hunderttausender Flüchtlinge, vor dem Battle-Rap von Kollegah und Farid Bang, dem Echo-Skandal, Juden-Diskriminierung auf Schulhöfen oder dem aktuellen Angriff auf einen Kippa tragenden Israeli in Berlin hatte. Schon 2015 ermittelte eine Bertelsmann-Studie, dass 81 Prozent der Bevölkerung die Geschichte der deutschen Judenverfolgung am liebsten hinter sich lassen würden, 58 Prozent sehnten sich nach einem „Schlussstrich“. Gleichzeitig gaben 48 Prozent an, eine schlechte Meinung über Israel zu haben.

Seit 70 Jahren werden wir geknechtet mit und durch den Holocaust. Man darf nicht erforschen, was damals wirklich passiert ist, sich nicht mit den Zahlen beschäftigen, nicht mit der Systematik auseinander setzen – obwohl solche Dinge wichtig sind, um zu verstehen, was wie passiert ist. Einfach nur „Du bist Deutsch, Du hast Schuld und Basta!“ Dabei ist es interessant, gerade wenn man die Datensammelwut sämtlicher Behörden und von Konzernen wie Facebook, Google oder Payback von heute sieht und begriffen hat, dass die Niederländer in jener Zeit über alle Bürger auch die Religion vermerkt hatten. Die Nazis sind einfach in die Einwohnermeldeämter und haben sich die Listen der Juden genommen, die mussten die nicht erst lange suchen.

Und zur schlechten Meinung über Israel – wer so wie der Spiegel gegen Israel hetzt, terroristische Angriffe der Palästinenser auf Israel abtut und jüdische Siedler immer wieder zu Problemen erklärt, der braucht sich doch über das Ergebnis nicht wundern. Es wäre eben hilfreich, wenn Spiegel auch mal schreiben würde, das nicht-jüdische Israelis auch wählen dürfen, auch Meinungsfreiheit haben, auch in der Knesset sitzen, auch ihre Religion betreiben dürfen, auch keine Religion betreiben müssen usw. Aber das lässt man lieber weg.

Beide Zahlen stehen in direktem Zusammenhang, denn um sich des Holocaust-Schuldkomplexes zu entledigen, kommt der sogenannte Antizionismus, also die Kritik an einem jüdischen Nationalstaat, gerade Recht: Durch die „Besatzungspolitik“ Israels wird das Volk der Opfer zu Tätern, die infame und inhaltlich absurde Gleichsetzung israelischer Politik mit dem NS-Regime ist da nur ein kleiner Schritt. Und schon muss man sich gar nicht mehr so schämen für Großvaters Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg, für die man ja ohnehin nicht in Sippenhaft genommen werden möchte.

Der Autor vergisst, das nicht ein einziger Enkel dieser Welt für die Taten seiner Großväter verantwortlich ist. Ich habe meinem Großvater nicht gesagt, dass er die Flugblätter drucken soll, für die er dann gemordet wurde von den Nazis – schon weil es mich nicht gab. Ich bin nicht verantwortlich, das ist weder meine Schuld noch meine Leistung.

Die feine Dialektik, die gerade in linken Kreisen gerne geführt wird, man werde ja wohl noch Israels Politik kritisieren dürfen, geht im Eifer der Empörung über das Palästinenser-Unglück oftmals unter: Volk, Staat, Glaubenszugehörigkeit, das alles gerinnt dann leicht zum Feindbild unterm Davidstern. Und das ist Antisemitismus, wie er auch in intellektuellen, linksliberalen Milieus seit Jahrzehnten unterschwellig dauerpräsent ist. Aber je weiter Weltkrieg und Holocaust in die Vergangenheit rücken und historisiert werden, je weniger Zeitzeugen sich in Verwandtschaft und Umfeld noch finden lassen, desto einfacher wird es eben auch, antijüdischen Gedanken, die man früher niemals laut geäußert hätte, freien Lauf zu lassen.

Eine sehr schöne Feststellung. Olympische Sommerspiele in München 1972 und die Entführung der Lufthansa Maschine Landshut: mit wem hatte die RAF noch kooperiert und WER wurde Opfer?

 Sie fallen, auch dank der Vernetzungskraft sozialer Medien, auf immer größeren Resonanzboden, der sich längst von der tradierten öffentlichen Diskurshoheit, also Politik und Medien, abgekoppelt und verselbstständigt hat. Hier entladen sich dann Unmut, Frust und Fake News in einen suggestiven Schwall, dem das gesellschaftliche Framing als Korrektiv fehlt. Hier verbreiten dann Rapper wie Kollegah und Haftbefehl oder Pop-Sänger wie Xavier Naidoo ihre antisemitisch durchwirkten Theorien über jüdische Finanz- und Weltverschwörungen, zeigt Bushido in seinem Profilbild eine Nahost-Karte ohne Israel.

Das ist wirklich ekelhaft! Naidoo im gleichen Atemzug Kollegah, Haftbefehl und Bushido. Bei Naidoo will man den Antisemitismus an einem Lied aus 2009 festmachen:

„Wie die Jungs von der Keinherzbank, die mit unserer Kohle zocken, Ihr wart sehr, sehr böse, steht bepisst in euren Socken, Baron Totschild gibt den Ton an, und er scheißt auf euch Gockel, Der Schmock ist’n Fuchs und ihr seid nur Trottel“

Das ist eine Kritik am Bankensystem und am Schuldgeld, von dem besonders Großbanker profitieren. Rothschilds gehören zu reichsten Menschen der Welt. Und gerade die Rothschild-Banken finanzieren alles, was irgendwie fies ist.

Aber weder lässt Naidoo in seinen Videos Teufel mit David-Stern auftreten, noch vergleicht er seinen Körper mit denen von Auschwitz-Insassen um seine Muskeln dann definierter zu finden. Das ist wirklich an den Haaren herbei gezogen. Naidoo ist einfach nur in linken Kreisen in Ungnade gefallen, weil er sich nicht an die Gebote der PC gehalten hat.

Weiter im Text:

Gleich nebenan, wenn nicht sogar im selben Kommentar-Thread, relativieren Rechte die Nazi-Verbrechen und fordern ultrarechte AfD-Politiker wie Björn Höcke eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“. Oder sie bezeichnen das Judentum als „inneren Feind“ des christlichen Abendlandes, wie der AfD-Abgeordnete Wolfgang Gedeon.

Klar, die Antisemiten aus dem rechten Lager betrachten auch und vor allem den Islam als Bedrohung. Aber in ihrer zurzeit gesellschaftsfähiger werdenden Judenverachtung bilden sie ausgerechnet mit jenen aus dem arabischen Raum stammenden jungen Menschen eine unheilige Allianz, die vermehrt auf Schulhöfen und in jugendkulturellen Nischen das Macht- und Sprachdiktat übernehmen. Wenn sie, durch familiäre oder soziale Prägung, bei der jungen Generation das Wort „Jude“ als Beleidigung wieder sagbar werden lassen, stößt das, wenn es so weitergeht, bald auf immer weniger Gegenwehr bei den Älteren, und zwar quer durch alle Milieus.

Dem Teil der Analyse kann ich nicht folgen. Wo wird denn Judenverachtung gesellschaftsfähiger? An welcher Stelle? Woran macht der Autor das fest? Die einzigen, die auf Schulhöfen Antisemitismus veranstalten, sind Moslems. Und diese Kinder werden dazu erzogen, Juden zu hassen. Im Elternhaus, in der Moschee, in der Koranschule – überall. Dann hören diese jungen Leute die Musik von Kollegah und anderen, noch viel schlimmeren Hetzern! Das ist das Problem! Der strukturelle Judenhass von Anbeginn.

„Wir haben uns in Deutschland viel zu gemütlich eingerichtet. Ein bisschen Antisemitismus, ein bisschen Rassismus, ein bisschen Islam-Feindlichkeit – ist doch alles nicht so schlimm? Doch, es ist schlimm“, sagte Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, am Mittwoch vor dem Jüdischen Gemeindehaus in Berlin-Charlottenburg. Rund 2500 Teilnehmer waren dem Solidaritäts-Aufruf gefolgt in der Hauptstadt gefolgt und trugen Kippa. 2500, das sind nicht viele. Man kann das als Symptom einer wachsenden Gleichgültigkeit oder moralischen Ermüdung lesen, die ja noch dadurch verstärkt wird, dass die Deutschen im Alltag kaum mit Juden oder jüdischem Leben konfrontiert sind. Und da holt sie einen dann schon wieder ein, die deutsche Geschichte.

Islamfeindlichkeit? Wo? Was schützt man in diesem Land und vor wem? Die Moscheen vor den Terror-Juden oder die Synagoge vor den Terror-Moslems?

Der Respekt vor ihr und die damit verbundene Verantwortung, sich gegen Rassismus, ideologisch oder religiös motivierten Hass und Verhetzung zu stellen, all das ist doch die eigentliche Normalität in Deutschland, all das gehört zum Selbstverständnis dieser nach dem Krieg zu Wohlstand, Freiheit und Toleranz gewachsenen Gesellschaft.

Zumindest war das bisher ein guter, schützenswerter Konsens. Wer seine Ruhe auch weiterhin haben will, wird sie jetzt, auch wenn’s mühsam ist, mit jeder verfügbaren Gewissens-Keule oder Moral-Fuchtel verteidigen müssen, die zur Verfügung steht. Damit es hier nicht noch ungemütlicher wird.

Macht man das, sagt man WER hetzt und hasst, wird man sofort zum Rechten, zum Nazi.

Fazit: der Autor verwechselt Koch und Kellner. Um sein Narrativ aufrecht zu halten, wird irgendwas herbeiphantasiert, das es so nicht gibt. Das Essay ist einseitig und tendenziös, wichtige Fakten werden einfach ausgeblendet. Wir haben ein Problem mit Antisemitismus, und dieses Problem heißt ISLAM.

 

Über osthollandia

Ich bin die Tochter von Engelbert.
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Eine Antwort zu Antisemitismus im Spiegel

  1. Teus schreibt:

    Ich kann Dir nicht ganz folgen! Fakt ist ja nun mal, das es Antisemitismus schon über 2.500 Jahre gibt. Das ist wissenschaftlich belegt und liegt im daran, das die „Juden“ Jesus an Pilatus verraten und ausgeliefert haben. Dazu kommt, das 98% der Juden, gar keine Juden sind, sondern Khazaren, also Türk-Mongolen und die restlichen 2% könnten auch Iranischer Abstammung sein und keine Hebräer. Das stand sogar in der The Times of Israel. Heißt, wenn allgemein über Antisemitismus diskutiert wird, können theoretisch nur die Saudis gemeint sein, denn das sind die einzigen Semiten die es in der Form noch gibt! Daher frage ich mich, was so eine Diskussion überhaupt soll, oder warum uns mit Absicht eine falsche Geschichte auferlegt wird, Wie mit dem 1. und 2. Weltkrieg. Ebenfalls alles gelogen. Siehe Versailler Diktat. Oder überhaupt alle Kriege davor und überhaupt! Dazu kommt, die Erfindung des Islams durch den Vatikan. Die Mohammed dazu auserkoren haben, den Islam zu gründen um die Juden aus Israel zu vertreiben. Denn eigentlich sollte der Vatikan in Jersualem stehen. Das war und ist immer der Plan (gewesen)!

    Hinzu kommt, dass das ganze aus der Mythologie gesehen werden sollte, um Aufschluß zu erlangen, welches Spielchen hier gerade gespielt wird. Denn Perseus (Sohn des Zeus) Nachkomme, war der Gründer des heutigen Irans. Sprich, Iran ist ursprünglich ein Indogermanisches Volk und wurde durch vielfache Vermischung zu dem was sie heute sind. Ein Islamischer Vielvölkerstaat. Der Turm auf der Flagge des Iran ist mit dem uns heute bekannten Märchen Rapunzel zu vergleichen. Bzw. dort kommt der Ursprung des Märchens her. Und die USA oder besser die USHA ist quasi die Tochter mit den langen Haaren die im Turm eingesperrt ist. Im Kern hat es mit der Kernenergie (Atom) zu tun, daher diese große Debatte und Israels Wut gegen den Iran, den Israel möchte das Erbe haben, was dem Iran zu steht. Und Angela Merkel wurde nur auf diese eine Aufgabe ihr Lebenlang vorbereitet. Nicht umsonst hat sie Kernphysik studiert!!!

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