Da bekommt man einen Herzkasper, wenn man sowas liest

Genauer diesen Artikel vom ZDF: https://www.zdf.de/nachrichten/heute/telekom-stellt-auf-ip-um-zurueck-in-die-70er-jahre-102.html#xtor=CS5-62

Der wird dann auch von Danisch hier https://www.danisch.de/blog/2019/08/17/packt-die-modems-wieder-aus/ besprochen, und zwar ziemlich gut.

Ich möchte aber trotzdem noch meinen persönlichen Senf dazugeben.

ISDN ist von Anfang an digitale Technologie gewesen und hat noch nie im analogen Netz funktioniert. Damit ein analoges Telefon an einem ISDN-Anschluss funktioniert braucht es zwingend einen Analogwandler, der aus analogen Signale digitale macht und umgekehrt. Das ist der Grund, warum in Deutschland hunderttausende Eumex-Telefonanlagen der Telekom existieren. Nur mit einem reinen ISDN-Telefon konnte man sich die Telefonanlage sparen, denn bei den Geräten war der Analogwandler schon drin.  Und ganz oft lief die Eumex mit nur einem Telefon und einem Fax hintendran. Der Trend zum zweiten Telefon kam erst später, als die Leute verstanden haben, dass man drei Telefone dran hängen kann und das Fax noch immer kein Problem hat. Was praktisch nie verstanden wurde war, dass man zwar drei Rufnummern hatte, aber nur zwei Leitungen. Eien Telefonnummer zu haben hat noch nie bedeutet, dass man auch eine Telefonleitung hat.

Das DSL-Signal wird über die gleiche Leitung geschoben, die bei den Leuten als Telefonleitung ankommt, allerdings auf einem anderen Frequenzbereich – und zwar dem, den man nicht zur Sprachübertragung nutzen kann, weil der Mensch den nicht hört. Und um Zugang zu diesem Bereich zu bekommen gibt es ein wundersames Zaubergerät mit dem schönen Namen Splitter – die älteren unter uns werden sich noch daran erinnern. An den Splitter kam dann zuerst das DSL-Modem, später dann der DSL-Router. Und das war gleich, egal ob ISDN oder Analog, weil Kupfer-Kabel immer die gleichen Eigenschaften hat, ob man das jetzt mit ISDN voll digital nutzt oder eben analog zur reinen Sprachübertragung. Das ist dem Kabel egal.

https://www.computerbase.de/forum/attachments/89_0_0_images_stories_dsl_isdn_dsl_simpel-jpg.322189/

Was die Telekom mit der ALL-IP Umstellung jetzt macht ist die Abschaffung der reinen analogen Sprachübertragung sowie das Abstellen von ISDN.

Was die Telekom nicht macht ist das Rausrupfen der Leitungen. Das machen die nicht, da wären sie ja auch blöd. Das Leitungsnetz ist das mit großem Abstand wertvollste, was die haben.

Kommen wir nun zum Info-Kasten.

Wie IP-Telefonie funktioniert 

Sprache und Steuerinformationen werden bei der IP-Telefonie über Datennetze mit Hilfe der Internet-Protokolle übertragen. Das ist nicht falsch.

Die Internet-Protokolladresse kann dabei aber die gute alte Telefonnummer nicht ersetzen, weil viele Anwender lediglich eine temporäre Internet-Protokolladresse haben, die sich regelmäßig ändert. Dieser Satz ergibt keinen Sinn. Was hat eine IP-Adresse mit der Telefonnummer zu tun?

Deshalb melden sich IP-Telefone mit ihrer sogenannten SIP-Adresse, einer Identitätsnummer für IP-Telefonie, beim Vermittlungsserver an. Auch dieser Satz ergibt keinen Sinn. Die Rufnummern sind einem SIP-Trunk zugeordnet, ja. Und in Wahrheit sieht die Nummer dann so aus: sip:0123456789@example.com Und ja, man könnte auch direkt die IP-Adresse anrufen, wenn man sie denn kennt – kennt man aber nicht. Und weil das so ist hat man einen Provider, der auch einen DNS-Server hat. Auf dem wird die aktuelle IP eingetragen und wenn einer kommt und fragt nach einer Verbindung zu 0123456789 dann schickt der zur richtigen IP und das korrekte Telefon klingelt.

Was aber im wesentlichen nicht verstanden wird: die Telefonnummer ist nicht mehr an den Anschluss gebunden. Das war sie eigentlich schon bei ISDN nicht mehr aber jetzt ist diese Anbindung komplett weg. Es kommt ein Anruf rein, Vorwahl 030, man denkt, der sei aus Berlin und dann sitzt der in Rumänien.

Die aktuelle IP-Adresse des Telefons wird dabei mit übermittelt. Schon der Verbindungsaufbau erfordert eine Mindestgeschwindigkeit bei der Datenübertragung. Die Sprachqualität ist dann ebenfalls von der zur Verfügung stehenden Bandbreite abhängig. Die Uploadrate sollte dauerhaft bei mindestens 120 Kilobit pro Sekunde liegen, damit IP-Telefonie funktioniert.

IP-Telefonie ist wesentlich Störungsanfälliger, weil Sprache in Pakete umgesetzt und dann übertragen wird. Gehen Pakete verloren robotert man halt, oft gibt es Nachhall oder Gespräche brechen ganz ab. In großen Netzwerken, z.B. in Unternehmungen, baut man für Telefonie ein eigenes VLAN, einen eigenen Bereich. Im Grunde macht man das, was früher der Splitter für das DSL gemacht hat, nur umgekehrt für die Telefonie.

Das eigentliche Problem mit der ALL-IP Umstellung ist aber eben der Wegfall der analogen Telefonie, damit geht Fax nicht mehr am Telefonanschluss und damit gehen sehr viele Alarmanlagen etc. auch nicht mehr. Aber anstatt die Leute über diese echte Problematik aufzuklären wird ein Fass aufgemacht, der Bauer hätte dann ja kein ISDN mehr könnte nur noch analog telefonieren.

Thema verfehlt, setzen, sechs.

Über osthollandia

Ich bin die Tochter von Engelbert.
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